|
Extract von :
http://www.lacan.at/
: Web site von
Neuer Wiener Gruppe
-----------------------------
LACANS OPTIK. DER
ANALYTIKER UND DIE
VISUELLEN KÜNSTE
Galerie Faber (Wien): 12.
– 30. Jänner 1988.
Konzeption/Realisation:
Gerhard Fischer, Walter
Seitter
AUSSTELLUNG
Gaëtan Gatian de
Clérambault:
Vermummungen/Drapierungen,
40 Fotografien.
Photothèque Musée de
l’Homme, Paris.
Gerhard Fischer/Thomas
Kierlinger: Die
Spiegelmaschine mit dem
versteckten
Blumenstrauß,
Konkav-Spiegel, Stele
mit Vase, lila
Seidenblumen.
Korrespondenz zwischen
Jacques Lacan, Pierre
Soury, Michel Thomé (18.
Dezember 1973 – 2. März
1979). Sammlung Michel
Thomé (Paris):
J. Lacan: Brief vom 11. 6.
1975
J. Lacan: Telegramm vom 4.
2. 1976
J. Lacan: Brief vom 23. 2.
1976
J. Lacan: Brief vom 25. 2.
1976
J. Lacan: Brief vom 10. 7.
1976
J. Lacan: Brief vom 1. 9.
1976
J. Lacan: Brief um 1976
J. Lacan: Brief vom 30.
11. 1977
J. Lacan: Brief vom 15.
12. 1977
J. Lacan: Brief vom 12. 1.
1978
J. Lacan: Brief vom 17. 1.
1978
J. Lacan: Brief vom 21. 2.
1978
J. Lacan: Brief vom 8. 5.
1978
J. Lacan: Brief vom 23. 5.
1978
J. Lacan: Brief vom 20.
10. 1978
J. Lacan: Brief vom 7. 11.
1978
J. Lacan: Brief vom 20.
11. 1978
27 Topologische
Zeichnungen. Sammlung
Jean-Michel Vappereau,
Paris:
J: Lacan: [Was läßt
Ein-Loch sagen...?]
P. Soury: [Der Kreuzknoten
am Torus]
P. Soury: [Das
Möbiusband/Das
umhüllende Band]
J. Lacan: [Das dreifache
Möbiusband und sein
Mittelschnitt)
J. Lacan: [Versuch einer
Borromäischen Kette mit
vier Ringen)
J. Lacan: [Konstruktion
der Viererkette]
J. Lacan: [Konstruktion
der Viererkette]
J. Lacan: [Flechtung mit
vier Strängen]
J. Lacan: [Die Topologie
widersteht]
J. Lacan: [Das
Auseinanderklaffen der
Psychoanalyse und der
Topologie]
J.-M. Vappereau:
[Eintauchen der
Borrmomäischen
Dreierkette in die
Oberfläche des
dreifachen Torus]
P. Soury: [Eintauchen der
Borromäischen
Dreierkette in den
vierfachen Torus]
J.-M. Vappereau:
[Umkehrung des
dreifachen Torus, der
die Dreierkette trägt)
J.-M. Vappereau:
[Ausschnittbild des
umgekehrten dreifachen
Torus]
J. M. Vappereau:
[Ausschnittbild des
dreifachen Torus]
P. Soury: Generalisierter
Borromäischer Knoten]
J.-M. Vappereau:
[Generalisierung der
Borromäischen Struktur]
J.-M. Vappereau:
[Generalisierung der
Borromäischen Struktur]
J.-M. Vappereau:
[Generalisierung der
Borromäischen Struktur]
J. C. Terrasson:
[Generalisierter
Borromäischer Knoten
6-4]
J.-C. Terrasson: [Detail
des Falles n6p4]
J.-M. Vappereau:
[Generalisierter
Borromäischer Knoten C
5-3]
P. Soury: [Generalisierter
Borromäischer Knoten im
engeren und im weiteren
Sinn]
P. Soury: [Generalisierter
Borromäischer Knoten im
engeren und im weiteren
Sinn]
P. Soury: [Generalisierter
Borromäischer Knoten im
engeren und im weiteren
Sinn]
P. Soury: [Generalisierter
Borromäischer Knoten
6-3]
J. Lacan: [Ein drittes
Geschlecht]
Die Titel in eckigen
Klammern wurden von
J.-M. Vappereau
nachträglich
hinzugefügt.
40 Zeichnungen von Pierre
Soury und Michel Thomé:
Chaînes et Noeuds,
1974/75. Sammlung Michel
Thomé, Paris.
33 Zeichnungen von
Jean-Michel Vappereau:
Nouages, 1981/82. Archiv
J.-M. Vappereau, Paris.
FILME
Jacques Lacan: Conférence
de Louvain, 13. Opktober
1972, Video. Radio
Télévision Belgique
1982.
Topologie design, Video.
Topologie en extension
1984.
VORTRÄGE UND VORFÜHRUNGEN
12. Jänner 1982:
Erich Joham, Wien:
Haarknoten
Jean-Michel Vappereau,
Paris: Von der Optik zum
Knoten
Michel Thomé, Paris: Die
Knoten und Lacan
13. Jänner 1988:
Jean-Michel Vappereau: Die
Knoten Lacans
Michel Thomé: Soury und
Lacan
16. Jänner 1988:
Eugénie Lemoine-Luccioni,
Paris: Vom Seher zum
Voyeur. Clérambault
22. Jänner 1988:
Peter Mahr, Wien: Lacan
und das Über-Reale
(Dali, Magritte)
29. Jänner 1988:
Roland Maruna, Wien:
Alpine Knoten.
Die Ausstellung (ohne
Begleitprogramm) ist im
Museum moderner Kunst in
Wien im Rahmen der Schau
daedalus-daedalus vom
22. Oktober bis zum 30.
Dezember 1990 wiederholt
worden.
Eine ausführliche
Dokumemtierung der
Ausstellung findet sich
in: G. Fischer, K.
Gruber, N. Martin, W.
Rappl (Hg.):
daedalus-daedalus: Die
Erfindung der Gegenwart
(Basel-Frankfurt 1990):
275-307. Eine knappere
Dokumentierung in: Nora
und Gerhard Fischer:
Museum von Menschen oder
wo sich Kunst und
Wissenschaft
wiederfinden (Wien
1996). 148-163. Der
Vortrag von Eugénie
Lemoine-Luccioni ist
abgedruckt in: Tumult
Zeitschrift für
Verkehrswissenschaft 12:
Gaëtan Gatian de
Clérambault (1872-1934):
Ein Augenschicksal
(1988). Dort auch andere
Texte über und von
Clérambault sowie
Abbildungen.
Gegenstand und Thema der
Ausstellung und des
Begleitprogramms waren
visuelle bzw.
visualisierende
Praktiken, die der
Psychoanalytiker Jacques
Lacan vorgefunden und
aufgegriffen hat, um
sein eigenes Denken zu
entwickeln; ferner
solche Praktiken, die er
selber realisiert und in
seine Denk-, Sprech-,
Schreibtätigkeit
eingebaut hat – zum Teil
in direktem Austausch
mit seinen Lehrern in
der Topologie (die seine
Schüler in der
Psychoanalyse waren).
Eine wichtige und
umfangreiche
Vorläuferpraxis in
Sachen Visualisierung
war für Lacan das
Gesamtwerk von Gaëtan
Gatian de Clérambault
(1872-1934). Er hatte
zunächst Angewandte
Kunst und Jurisprudenz
studiert – und sollte
auch in seinem späteren
Hauptberuf – in der
Psychiatrie – jenen
beiden Disziplinen
verbunden bleiben. Denn
die exakte Darstellung
und die Entscheidung
waren wichtige Aspekte
seiner
gerichtspsychiatrischen
Tätigkeit. Sein Studium
der Medizin und
Psychiatrie schloß er
mit einer Doktorarbeit
ab, die dem Ohrenhämatom
der Geisteskranken
gewidmet ist. Im
Gegensatz zur üblichen
Auffassung, wonach diese
Hämatome auf
Entwicklungsdefizite
zurückzuführen seien,
vertrat er die These,
die Irren würden sich
ihre Blutergüsse
zuziehen, da sie ihre
Köpfe gegen die Mauern
ihrer Zellen stoßen.
Diese These, die auf
Ausagierung,
Auseinandersetzung,
Zusammenstoß setzt,
zeigt bereits sehr
deutlich Clérambaults
Denkstil. Die Jahre 1903
und 1904 verbrachte
Clérambault in Wien: er
war Leibarzt bei einer
Gräfin, lernte die
deutsche Sprache und hat
anscheinend von Freud
keine Notiz genommen.
Eine Liste aller Namen
und Begriffe in seinem
psychiatrischen Werk
verzeichnet den Namen
Freuds nicht. In einem
seiner Texte findet sich
jedoch „freudisme“ als
Bezeichnung für das von
Clérambault abgelehnte
„ideogenische Dogma“.
Als Gerichtspsychiater
richtete er seine
Aufmerksamkeit auf die
„Stoffleidenschaften“
von Frauen, die
straffällig geworden
waren, weil sie in
Textilgeschäften
gestohlen hatten. Im
Ersten Weltkrieg war er
an der Front gegen die
Deutschen eingesetzt und
lieferte extravagante
fotographische
Mutproben: er warf sich
ins Schußfeld der, wie
er sagte, „minnenwerfen“
und fotografierte die
Einschüsse. Sein
Augenschicksal hat
eingesetzt. Eine schwere
Verwundung ermöglicht
ihm einen
Erholungsaufenthalt in
Marokko. Dort baut er
eine andere
Blick-Leidenschaft aus:
er stellt Tausende von
Fotos her, die Männer
und Frauen, Gruppen,
Paare und einzelne in
ihren traditionellen
Gewändern zeigen:
riesige Hüllen mit ihren
Faltungen, Knotungen und
Öffnungen. Nach Paris
zurückgekehrt arbeitete
er wieder als
Gerichtspsychiater und
führte auch eine
Lehrveranstaltung durch,
an der der junge Lacan
teilnahm. Daneben
widmete er sich der
historischen und
ethnographischen
Kostümkunde und lehrte
dieses Fach an der
Akademie für Bildende
Kunst und verfaßte
mehrere Aufsätze über
die Kunst der
Drapierung. Er forschte
und lehrte nicht nur in
diesem Fach sondern
baute es offensichtlich
zu einer ganzen
Lebenskunst aus. Umso
schwerer traf ihn das
Schicksal: er verlor
langsam sein Augenlicht;
er beschrieb noch in
einem faszinierenden
Text sein neues, sein
anormales Sehen. Aber
dann verzweifelte er und
gab sich in einer
spiegelstadialen
Installation den
tödlichen Schuß.
Zu Clérambaults Leben und
Werk gehören auch seine
psychiatrische
Theoriebildung oder
seine literarischen und
justiziellen
Auseinandersetzungen mit
den Surrealisten. Was
Lacan bewogen hat,
Clérambault seinen
„einzigen Lehrer in der
Psychiatrie“ zu nennen,
war sicherlich dessen
Kunst des Sehens und des
Sichtbarmachens. Und
Lacan konzeptualisiert
diese Kunst in einer
Weise, die direkt auch
an den Gewandfotografen
denken läßt: der
klinische Blick bestehe
in „Treue zur formellen
Hülle des Symptoms.“
In der Ausstellung ist
auch das „Experiment mit
dem umgekehrten
Blumenstrauß“
reproduziert worden,
welches Lacan in seinem
Seminar I: Freus
technische Schriften
(Olten 1978) aus Henri
Bouasse: Optique et
photométrie dites
géometriques (Paris
1934): 47 entnommen und
ausführlich kommentiert
bzw. theoretisch
ausgewertet hat. Das
Experiment besteht
darin, daß vor einem
Konkavspiegel eine Vase
aufgestellt wird und
unter der Vase ein
Blumenstrauß aufgehängt
wird (Kopf nach unten).
Im Hohlspiegel aber
sieht man den
Blumenstrauß aufrecht
über (bzw. in) der Vase
stehen.


Fotografie: Johannes
Faber
Wie die beiden
abgebildeten Fotografien
aus der Ausstellung
zeigen, hat das
Experiment funktioniert.
Zu seiner Installation
wurde ein großer
Hohlspiegel auf
Holzgestell aus dem
Technischen Museum in
Wien ausgeliehen. Dieses
Spiegelgestell war 1,5 m
breit, 1,2 m tief und
2,6 m hoch; der Spiegel
aus Metall und Glas
hatte einen Durchmesser
von 1,36 m. Das
Holzgestell, schwarz
lackiert, war sehr
schön, die ganze
Spiegelmaschine erschien
wie ein Kunstwerk von
klassischem Zuschnitt.
Die Nachfrage im
Technischen Museum
ergab, daß es zu diesem
Spiegel nur eine alte
und falsche
Inventarnummer gibt;
Zeit, Ort und Autor der
Herstellung sind
unbekannt.
Von den Zeichnungen
Lacans sei eine
hervorgehoben. Sie
findet sich im Brief vom
11. 6. 1975 an Pierre
Soury und Michel Thomé
oder vielmehr: der Brief
besteht nur aus dieser
Zeichnung mit ganz
knappen sprachlichen und
schematischen Zusätzen,
die darauf hinweisen,
daß es sich um einen
Knoten aus sechs Ringen
handelt, von denen einer
Omega heißt und die Form
eines Rhombus hat: und
er soll es sein, der dem
Ganzen den borromäischen
Charakter gibt.
Was aber sieht man?
Gezeichnet mit blauer
Feder, blauem und grünem
Filzstift, konzentrisch
übereinander gelegt, ein
griechisches Kreuz,
einen Rhombus, ein
Quadrat, ein Rechteck
und eine kreuzförmige
Fläche mit zwei
halbkreisförmigen und
zwei rechtwinkeligen
Abschlüssen. Das Ganze
wirkt wie ein komplexer
und doch regelmäßiger
Architekturgrundriß: ein
Zentralbau, der in
mehreren Etagen
unterschiedliche Formen
annimmt, die hier alle
palimpsestartig
ineinander gelegt sind.
Die Zeichnung ist ohne
Lineal und Zirkel
ausgeführt und doch von
großer und präziser
Konzentriertheit. Das
leichte Zittern und
Schwanken des großen
Gebildes, das
gelegentliche Ineinander
und das gelegentliche
Nebeneinander von dünnen
Federstrichen und
dickeren
Filzstiftstrichen – all
das gibt der winzigen
Zeichnung eine
„Lebendigkeit“, die
sowohl das Kleinod, den
geschliffenen, blau-grün
funkelnden Edelstein,
wie auch die große und
durch die Jahrhunderte
durchstehende
Architektur evoziert.
Der vom Außenweltdenker
Clérambault inspirierte
Lacan hat damit -
zufällig oder tychisch -
ein Kunstwerk
geschaffen: eine
Erscheinung, die kraft
ihrer
Erscheinungshaftigkeit
mehr bedeutet (sehen
läßt und verbirgt,
spricht und selber
blickt), als sie
vielleicht bedeuten soll
oder will. Er realisiert
eine Perspektive, die
über Psychologie und
Therapie hinausgeht und
löst „theoretisch“ –
ästhetisch und
philosophisch – ein, was
Freud mit einer
Erklärung wie dieser
andeutet: „Ich
beschränke mich darauf
zu sagen, daß ich keine
Schwierigkeit darin
finde, eine physische
Welt neben der
psychischen anzuerkennen
in der Art, daß die
letztere ein Teil der
ersteren ist.“
Zum theoretischen
Hintergrund der
Ausstellung siehe Walter
Seitter: Jacques Lacan:
als Zeichner, in: ders.:
Jacques Lacan und
(Berlin 1984); Niels
Werber: Lacan und die
Kunst. Spaziergänge
durch ein
terminologisches
Labyrinth, in: Texte zur
Kunst 4 (1991).
|
Michel Thomé:
Der Briefwechsel Lacans
mit Thomé und Soury
Es beginnt im November
1973, als Lacan in
seinem Seminar wieder
vom borromäischen Knoten
spricht, den er im
Januar 1972 vorgestellt
hatte.
Zunächst entdeckt Thomé,
daß der borromäische
Knoten (aus 3 Ringen)
aus einem regelmäßigen
Zopf (mit 3 Strängen und
6 Kreuzungen) durch
Verbindung der Enden
entwickelt werden kann.
(Es handelt sich um den
allgemein bekannten
Haarzopf).
In der Folge beweist
Soury, daß jeder Knoten
in einen geschlossenen
Haarzopf verwandelt
werden kann.
Diese beiden grundlegenden
Entdeckungen bilden den
Ausgangspunkt der
Zusammenarbeit zwischen
Soury und Thomé und des
Briefwechsels mit Lacan.
Thomé sendet diese
Ergebnisse zusammen mit
zahlreichen Zeichnungen
von Zöpfen und Knoten an
Lacan, der in der
folgenden Sitzung des
Seminars davon spricht
und Thomé in einem Brief
einlädt, zu ihm zu
kommen. Das ist der
erste Brief Lacans an
Soury und Thomé.
In der Folge kommt es zu
einem intensiven
Briefwechsel (1973-1979)
und häufigen
persönlichen
Zusammenkünften, in
denen die Problematik
der borromäischen Knoten
behandelt wird. Lacan
spricht in seinem
Seminar immer häufiger
von Knoten und verweist
wiederholt auf Soury und
Thomé. Er fordert sie
auch mehrmals auf, ihre
Texte unter den Zuhörern
des Seminars zu
verteilen.
1976 beginnt Thomé eine
Pschoanalyse bei Lacan,
und Lacan wendet sich
daher in der Folge nur
noch an Soury. Er lädt
ihn häufig ein, um über
Topologie zu sprechen
(Flächen und
generalisierte
borromäische Knoten).
Dieser Briefwechsel und
diese Zusammenkünfte
finden 1979, wenige
Monate vor Lacans
Auflösung der 'Ecole
Freudienne', ein Ende,
als Lacan Soury
wiederholt bittet,
unmittelbar vor den
Seminaren mit ihm
zusammenzutreffen, um
über Topologie zu
spechen, und Soury, dem
dies nicht behagte, ihm
dies schließlich
verweigerte.
|
 |
 |
 |
1
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, um
1975.
Zeichnung eines
borromäischen Zopfes
aus 5 Strängen, von
denen 4 parallel
bleiben, während ein
spezieller namens w
(Omega) alle
borromäisch
zusammenflicht.
|
2
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 11.
6. 1975.
Gleiche Problematik.
Diesmal 6 Ringe. Der
Ring Omega flicht
die anderen und sich
borromäisch zusammen
(obwohl der Anschein
nicht borromäisch
ist). |
3
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, um
1976.
Wie kann man 2
Tetraeder so
verbinden, wie man
Fadenringe zu je
zweien zu einem Ring
verknüpft (um dann
borromäische Ketten
aus Tetraedern zu
konstruieren)? |
 |
 |
 |
4
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 12.
1. 1978.
Sogenannte Fike-Kette
in Algenform:
Konstruktion der
Fike-Borromäerinnen,indem
man in einer
borromäischen Kette
das Innere des Torus
nimmt, der einen
äußeren Ring
ergänzt. |
5
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 17.
1. 1978.
Komplementäre Tori:
Problem der
Verschachtelung. |
6
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 15.
12. 1977, recto.
"Sagen Sie mir bitte,
auf wieviele Weisen
sich einer dieser 6
Tori umkehrt. Es
gibt zwei andere
Fälle:
denjenigen, den ich
'Gänsemarsch'
genannt habe." |
 |
 |
 |
7
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 15.
12. 1977, verso. |
8
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 21.
2. 1978.
"Ich bin heute früh,
21. Februar 1978,
bei Ihnen gewesen,
um zu versuchen,
etwas aufzustellen.
Sie waren nicht da.
Zumindest habe ich
das angenommen: denn
ich habe lang an Ihr
Tor geklopft. Diese
Geschichte macht
mich rasend." |
9
Jacques Lacan, Brief
an Pierre Soury, 30.
10. 1978.
"Warum sind die 4
Halbdrehungen in
Ihrem Papier so
dargestellt? ...
oder so. Rufen Sie
mich möglichst bald
zuhause an? Wenn Sie
können." |
 |
 |
 |
10
Jacques Lacan,
Brief an Pierre
Soury, 20. 11. 1978.
"Seien Sie so gut,
lieber Soury, mir
das Moebius-Band zu
machen - das wir das
dreifache nennen und
das sich so
darstellen läßt, und
mir davon die
Doppelung
anzufertigen, der
Sie ein Inneres und
ein Äußeres
verleihen." |
11
Jean-Michel
Vappereau:
Die Topologie
Lacans. Kleine
Chronik des
Generalisierten
Borromäischen
Knotens
"Was läßt von einem
Loch sprechen?
In welcher Richtung
betritt man es?
Eine Vagina ist kein
Loch sondern ein
Organ.
Der Surrealismus ist
typischerweise die
dem Realen
zugesprochene
Intention."
Auf dieser Seite
finden sich
Beispiele jeder
topologischen
Spielart, derer sich
die Topologie Lacans
bedient:
Graphen/Flächen/Knoten;
und dazu eine
typische
Topologie-Reflexion
von Lacan über das
Loch.
In der Mitte der Seite
soll ein Kreis ein
Loch darstellen,
eine 1-Sphäre, einen
Streifen. Es ist ein
Kommentar zur
mangelnden Logik der
Zeichnung. Sobald es
ein Loch des Loches
gibt, geht es nicht
mehr. Lacan
vergleicht das, was
ein vorgestelltes
Loch (einen
Streifen) verstopft,
mit einem Loch.
Löcher in diesem
Stoffstreifen
scheinen ihm Löcher
im Loch zu sein.
Die Kreise unten auf
der Seite sind
Ringe. Man findet
den Knoten mit zwei
unendlichen Geraden
und eine Reflexion
über die Dualität
der Plättung eines
Ringes, in der die
anderen Ringe, die
eine Kette bilden,
durch Graphen
ersetzt wurden.
Seither erschienen
uns diese Graphen
sehr nützlich, und
wir haben sie unter
dem Namen 'Graphen
von Terrasson"
definiert. |
12
P. Soury
Der Kleeblattknoten am
Torus.
Es handelt sich um
zwei Darstellungen,
der Vorder- und
Hinterseite eines
Kleeblattknotens am
Torus, von Soury
etwas zögernd
gezeichnet und
gezählt. Wir können
bezeugen, daß Lacan
diese Zeichnung oft
zur Hand nahm, um
die Zählung der
Drehungen auf der
Oberfläche des Torus
zu üben. Er
berichtigt die
Zählung von Soury
und schreibt: "2 mal
um den Kern." |
 |
 |
 |
13
P. Soury
Das Moebius-Band. Das
umhüllende Band.
Diese Darstellung des
Moebius-Bandes und
seiner Verdoppelung
beinhaltet einige
Schwierigkeiten. Es
kam vor, daß Lacan
uns bat, zu
überprüfen, ob diese
Darstellung richtig
gezeichnet ist.
|
14
J. Lacan
Das dreifache
Moebius-Band und
sein Mittelschnitt.
Die zwei durch diesen
Schnitt erhaltenen,
unterschiedlichen
Seiten sind als
"Vorderseite" und
"Hinterseite"
beschriftet. Wie
auch im Fall der
Knoten am Torus
schenkte Lacan der
Schwierigkeit der
Zählung bei dieser
Art von Objekt
Beachtung. |
15
J. Lacan
Versuch einer
borromäischen Kette
mit vier Ringen.
Lacan schichtet drei
Ringe übereinander.
Er versucht, sie
durch einen vierten
zu verknüpfen. Wie
gewöhnlich
demonstrierte Lacan
gerne, daß es ihm
vor allem darum
ging, spezielle
borromäische Knoten
und Ketten zu
konstruieren. Es ist
eine Möglichkeit,
die Frage zu
präsentieren,
genauer gesagt geht
es darum, zu sagen,
was ein Knoten und
was ein Loch ist.
Unten die Skizze einer
Armillardarstellung
der gleichen
Viererkette. |
 |
 |
 |
16
J. Lacan
Konstruktion der
Viererkette
Ausgehend von einer
Anordnung dreier
übereinandergeschichteter
Ringe zeichnet Lacan
die verschiedenen
Arten der
Darstellung der
borromäischen Kette
mit vier Ringen,
indem er den
Durchgang des
vierten in dieser
Anordnung
untersucht. In
seinem Seminar nennt
er den vierten Ring
"sinthome". |
17
J. Lacan
Konstruktion der
Viererkette |
18, 19
"Die Topologie
widersteht
Das Auseinanderklaffen
der Psychoanalyse
und der Topologie
Es ist das, was das
ist
Der Rand
Das umhüllende Band
Korrespondenz zwischen
der Topologie und
der Praxis
Die Zeiten"
Bei der Untersuchung
dessen, was allen
Moebius-Bändern
gemeinsam ist, stößt
man auf den
Kleeblattknoten und
seinen Schnitt.
Lacan untersucht
diese Struktur nicht
zufälligerweise. Sie
läßt sich bis zum
Seminar des 15.
Februar 1967
zurückverfolgen und
findet sich wieder
in der Schrift
"L'étourdit"
(Scilicet Nr. 4). Er
nennt sie
signifikante
Involution.
|
 |
 |
 |
|
19 |
20
P. Soury
Generalisierter
Borromäer im engeren
Sinn 6-3. Soury
bildete eine
generalisierte
borromäische Kette
nach unserer Methode
im Fall von sechs
Ringen. Es ist
notwendig und
hinreichend, drei
Ringe
herauszuziehen,
damit sie sich
auflöst. Sein
beigefügter
Kommentar erhellt
und bestätigt unser
Interesse für die
Lektüre des
Pascal'schen
Dreiecks.
|
21
J. Lacan
"Ein drittes
Geschlecht
Es genügen zwei
Der Borromäer
nicht zu reduzieren
auf die Standardform
wird generalisiert
genannt
4.2" |
|
Mit freundlicher
Genehmigung des
Verlages
Stroemfeld/Roter
Stern aus daedalus:
Die Erfindung der
Gegenwart
(Basel-Frankfurt
1990) |
Extract von :
http://www.lacan.at/
Web site von
Neuer Wiener Gruppe
|
Neuer Wiener Gruppe
:
(Biology and
Psychotherapy, social and
political Science and cultural
Studies)
|
Geschichte :
Die Entstehung der Neuen
Wiener Gruppe (Lacan-Schule)
geht auf das Internationale
Seminar: Psychoanalyse und
Strukturalismus - Freud und
Lacan zurück, das 1986 und 1987
vom Französischen
Kulturinstitut, vom Institut für
Wissenschaft und Kunst sowie von
der Österreichischen
Gesellschaft für Kulturanalyse
veranstaltet worden ist. Vom
Januar 1986 bis zum April 1987
fanden elf Wochenendseminare mit
Vorträgen, Diskussionen und
Workshops statt, in denen Alain
Didier-Weill, Susanne Hommel,
Lucien Israel, Franz Kaltenbeck,
Friedrich Kittler, Sarah Kofman,
Jean Laplanche, Rosine und
Robert Lefort, Thanos Lipowatz,
Jacques-Alain Miller, Genevieve
Morel, Andreas Pribersky, August
Ruhs, Leonhard Schmeiser,
Colette Soler, Michael Turnheim,
Samuel Weber, Peter Weibel,
Jean-Pierre Winter zu Wort
kamen.
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